Die bewegten Jahre
Wo? Salzstr. 28 Münster
Wann? 2012-02-18: 00:00:00
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Stadtmuseum zeigt Münster in Fotos zwischen 1978 und 1989
Tausende ziehen auf die Straßen gegen den Nato-Doppelbeschluss. Menschenketten
skandieren gegen Aufrüstung und Muskelspiele im Kalten Krieg. Hausbesetzer liefern
sich Straßenschlachten und verteidigen zäh knappen Wohnraum in den Städten. 1978 bis
1989 - wie hat Münster diese Dekade erlebt mit der Friedens-, Umwelt und Anti-
Atomkraftbewegung, dem Einzug der Grünen in die Parlamente und dem Beginn der "Ära
Kohl"? Das Stadtmuseum Münster blendet in seiner neuen Sonderausstellung "Die
bewegten Jahre" auf diese Zeit zurück, in der privater Konsum und üppige Angebote
der Freizeitgesellschaft Gegenströmungen bilden und das Jahrzehnt mit der
friedlichen Revolution in der DDR endet.
Seit 2004 eröffnet das Museum an der Salzstraße in jedem Herbst eine umfassende
Fotoschau zur Zeitgeschichte Münsters. Mit überragendem Besucherzuspruch. "Allein
mehr als 50 000 Gäste sahen die Vorläuferausstellung `Die wilden Jahre` Münsters
zwischen 1968 und 1977", hält Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé zufrieden fest.
"In der aktuellen Schau lenken Aufnahmen professioneller Pressefotografen sowie
viele private Leihgeber erneut den Blick auf große Themen und Schlagzeilen in der
Bundesrepublik - dokumentiert und erzählt vor der Kulisse Münsters."
Aus über 100 000 Negativen wählte Ausstellungskoordinator Dr. Axel Schollmeier 200
Aufnahmen aus. Der stellvertretende Museumsleiter gliedert die Ausstellung in 13
Themenbereiche, die den Besucher auf eine anschauliche Zeitreise durch Politik und
Gesellschaft, Stadtbild Geschichte, Kunst und Freizeit mitnehmen.
Von "Bombentorten" und Bürgerinitiativen
Schlaglichter: Da protestiert die Friedensinitiative Münster gegen atomares
Wettrüsten und gratuliert zum 30. Geburtstag des 1. Bundeswehr-Korps mit einer
„Bombentorte“. Die Bürgerinitiative „Rettet die Riesefelder“ verhindert die
Ausdehnung eines Industriegebietes am Rand des Vogelreservates. Wachsendes
Umweltbewusstsein macht sich in der Zusammensetzung des Stadtrates bemerkbar: 1979
zieht die Grüne Alternative Liste (GAL) mit vier Mandaten erstmals in den Stadtrat
ein. Politiker diskutieren vor Wahlen an ungewöhnlichen Orten - in Münster im
"Batavia", einer Diskothek auf der Ludgeristraße.
Die Fotoschau dokumentiert Veränderungen im Stadtbild. Dr. Schollmeier erinnert an
markante Stationen: "1982 ist das Klinikum mit seinen kühnen Bettentürmen
bezugsfertig, das Karstadt-Kaufhaus bekommt in der City einen Neubau und in dessen
alten Möbelhaus öffnet am 31. August 1989 das Stadtmuseum seine Pforten.“
Hausbesetzungen
Studierende suchten damals wie heute nach einer bezahlbaren Bleibe. Wohnraum ist in
den 1980er Jahren knapp, der Kampf gegen Leerstand, Abriss und Spekulanten weiter an
der Tagesordnung. 60 junge Leute besetzen 1981 das verwaiste Betriebsgebäude von
Coca-Cola an der Steinfurter Straße. Noch im selben Jahr ist Münster Schauplatz des
ersten bundesweiten „Hausbesetzerkongresses“.
Die Fotos begleiten Münsteranerinnen und Münsteraner bei der Arbeit, im Kaufhaus,
auf dem Flohmarkt, im Café, am Aasee oder zur Skulpturenschau 1987, bei der die
lautstarken Proteste ihres Vorläufers (fast) verstummt sind. Andere Aufnahmen führen
in die schummrigen Räume der boomenden Party- und Kneipenszene dieser Stadt. Und
lenken den Blick auf einen "Dauerbrenner": 1987 eröffnet Steffi Stephan mit
prominenter Unterstützung das "Jovel" an der Grevener Straße. Mit verändertem
Standort bis heute eine Institution in Münsters Musikszene.
Info: "Die bewegten Jahre - Münster in Fotos von 1978 bis 1989"; bis 13. Mai 2012,
Stadtmuseum Münster, Salzstraße 28, dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr,
samstags/sonntags 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei. www.muenster.de/stadt/museum.
Informationen zum Veranstalter
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